Queerfeindliche Gewalt ist auch in Hessen Thema im Alltag

Pressemitteilung: Aidshilfe fordert verstärktes politisches und gesellschaftliches Engagement

Frankfurt am Main, 27.07.2026 – Der Terroranschlag gegen den CSD Berlin, bei der eine Person ermordet, dutzende weitere Menschen schwer verletzt wurden, hat bei den Engagierten der hessischen Aidshilfen Entsetzen, Trauer und Wut ausgelöst. Zwei Tage nach der schrecklichen Tat tritt neben die Gedanken an die Opfer auch die Sorge um queere Menschen in Hessen.

Darum weist der Landesverband der Aidshilfen darauf hin, dass queerfeindliche Gewalt auch im Bundesland Alltag ist. Sie reicht von verbaler Gewalt bis hin zu massiven körperlichen Übergriffen. Im Kontext des CSD Frankfurt Mitte Juli wurde ein Ehrenamtlicher der dortigen Aidshilfe verletzt, eine queere Bar wurde mit Glasflaschen beworfen. In Offenbach hat sich eine ganze Serie von Übergriffen auf schwule Männer ereignet, bei denen Gruppen massive körperliche Gewalt ausübten.

Nur die Spitze des Eisbergs

„Aus unserer Arbeit als Teil der queeren Community wissen wir: derartige Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Viele queere Menschen erleiden im Alltag Gewalt, wie zum Beispiel abwertende Kommentare und Einschüchterung im öffentlichen Raum. Die Angst davor, womöglich als ‚anders‘ betrachtet zu werden, schränkt oft in der Lebensführung ein. Dann achten Betroffene verstärkt darauf, nicht als queer aufzufallen. Sich mit Partner*in Händehaltend in der Öffentlichkeit zu zeigen, sollte für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit sein dürfen - ist es für viele queere Menschen aber nicht“, berichtet Florian Beger, Geschäftsführer des Landesverbands der Aidshilfen.

Bereits die Angst vor Diskriminierung und Gewalt beeinträchtige die Lebensqualität der Betroffenen massiv. Zu den Folgen zähle dabei auch eine erhöhte Betroffenheit von gesundheitlichen Problemen.

In dieser Situation wünscht die Aidshilfe sich ein gemeinsames gesellschaftliches Eintreten gegen queerfeindliche Gewalt und Diskriminierung. Auch die Landespolitik sei gefragt, sich verstärkt zu engagieren.

ein freies und sicheres Leben queerer Menschen in Hessen darf nicht verhandelbar sein

„Es muss deutlich gemacht werden: ein freies und sicheres Leben queerer Menschen ist in Hessen nicht verhandelbar“, so Beger. Es bedürfe weiterer Maßnahmen, um Gewalt und Diskriminierung abzumildern: „Wir benötigen ein vollständigeres Bild über das Ausmaß queerfeindlicher Gewalt. Die Zählweise entsprechender Straftaten sollte überprüft, Opfer sollten durch sensibilisierte Strukturen flächendeckend zu Anzeigen ermutigt werden. Es bedarf zusätzlicher Angebote der Beratung und des Opferschutzes, die Betroffenen leicht zugänglich sind. Zudem sollte das Erkennen von queerfeindlicher Gewalt gefördert werden – etwa durch den Erhalt und den Ausbau von Angeboten im Bildungswesen.“

Das Ereignis in Berlin wie auch die alltägliche queerfeindliche Gewalt zeigten, dass die liberalen Errungenschaften der Gesellschaft bedroht seien. „Angehörige vieler gesellschaftlicher Minderheiten machen diese Erfahrung: Die Wurzeln, die Religionszugehörigkeit, eine Behinderung, die geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung – diese Merkmale werden zur Legitimierung von Ausgrenzung missbraucht. Die Aidshilfen werden weiter engagiert für eine Gesellschaft eintreten, in der alle Menschen, unabhängig von ihrer Geschichte und Identität, frei und sicher leben können“, erklärt Beger.

die liberalen Errungenschaften der Gesellschaft sind bedroht.

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