Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen: Todesfälle wären vermeidbar

Gemeinsame Pressemitteilung Parität Hessen - Aids-Hilfe Hessen

Der Paritätische Hessen und die AIDS-Hilfe Hessen erinnern am Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen zum 21. Juli an die vielen Menschen, die an den Folgen des Drogenkonsums sterben. Besonders erschütternd: Diese Todesfälle könnten verhindert werden.

Frankfurt am Main 16.07.2026. Erneut sind mehr als 2.100 Menschen in Deutschland infolge des Konsums illegalisierter Drogen gestorben. Besonders besorgniserregend ist die hohe Zahl der Todesfälle von jungen Menschen. Jeder vierte war unter 30.

Dabei könnten Drogentode bereits jetzt verhindert werden. Eines der größten Probleme ist: Die Stigmatisierung der Betroffenen. Die Stigmatisierung erschwert es den Menschen, sich Hilfe zu suchen. Ein niedrigschwelliger, stigmatisierungsfreier Zugang zu Prävention, Beratung und Behandlung ist ebenso wichtig wie zu schadensminimierenden Maßnahmen. Sichere Orte für Drogengebraucher*innen sind kaum vorhanden: Fehlende Aufenthaltsräume zwingen Menschen auf die Straße – wo sie als „störend“ wahrgenommen werden. 

„Drogengebraucher*innen leben mit ständiger Kontrolle, unter ständiger Angst“, sagt Christian Rosner, Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Hessen. Durchsuchungen, Platzverweise und Kontrollzonen erhöhen den psychischen Druck und schaffen ein Klima der Unsicherheit. „Statt Unterstützung erleben Betroffene häufig Verdrängung – von Platz zu Platz, von Stadt zu Stadt“, so Rosner weiter. Wichtig sei vor allem die Anerkennung der Menschen als Menschen. „Drogengebrauchende Menschen sind Mitbürger*innen und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft“, sagt Rosner.

Dr. Yasmin Alinaghi, Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Hessen, appelliert an die Zivilgesellschaft. „Menschen mit einer Suchterkrankung werden viel zu häufig entmenschlicht dargestellt. Hinter dem Label „suchtkrank“ stecken aber Individuen mit Geschichten, Familien, Träumen – und dem Recht auf Würde.“ Für die Unterstützung von Drogengebraucher*innen und das Finden gemeinsamer Lösungen braucht es Solidarität und den Abbau von Vorurteilen. Zuhören, statt Wegschauen. Verstehen statt Verdrängen. 

Ebenso braucht es zivilgesellschaftliches Engagement – etwa durch Spenden oder ehrenamtliche Arbeit. Hier bietet sich z. B. das JES-Netzwerk an. Von Betroffenen für Betroffene engagiert sich JES (Selbstbezeichnung: „Junkies, Ehemalige & Substituierte“) in Hessen für die Interessen und Bedürfnisse Drogen gebrauchender Menschen.

„Neben der Zivilgesellschaft ist auch die Politik gefordert“, sagt Melanie Bildesheim, Sprecherin der Fachgruppe Suchthilfe im Paritätischen Hessen. „Statt Verdrängung braucht es politisch abgesicherte Maßnahmen, die Leben retten: neben auskömmlich finanzierter Prävention, Früherkennung, Frühintervention, Beratung, Begleitung und Behandlung auch sichere Räume zum Wohnen, zum Aufenthalt, zum Konsum und Angebote zur Vermeidung von tödlichen Überdosierungen.“

Ein wichtiges Angebot ist Drug Checking. Drug Checking verbindet die chemische Analyse psychoaktiver Substanzen mit einer persönlichen Beratung. Dabei werden die enthaltenen psychoaktiven und pharmakologisch relevanten Wirkstoffe der Drogen untersucht und die Ergebnisse im Rahmen eines vertraulichen Beratungsgesprächs erläutert. Das Angebot ist niederschwellig und kostenlos. „Wir brauchen schnellstmöglich eine Landesverordnung, damit Drug Checking in Hessen angeboten werden kann. Drogengebraucher*innen werden dadurch an das Hilfesystem angebunden. Außerdem können Überdosierungen verhindert und somit Leben gerettet werden“, sagt Bildesheim.

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